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Leitfragen zum Hinterfragen von Diagnosen

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Ulrike Borst hat 2003 in der Zeitschrift Familiendynamik einen hilfreichen Artikel über den Umgang mit psychiatrischen Diagnosen geschrieben. Der Artikel orientiert sich an der Nützlich- und Unnützlichkeit von Diagnosen im psychiatirschen Alltag.

Sie hat unter anderem Leitfragen entwickelt, die bei der Relativierung und Kontextverortung von Diagnosen hilfreich sein können:

LEITFRAGEN ZUM HINTERFRAGEN VON DIAGNOSEN

  • Was ist das Ziel der Diagnosestellung?
  • Welche Bedeutungen hat die Diagnose für die Beteiligten?
  • Für wen ist die Diagnose wichtig?
  • Welche Fragen, glaubt man, beantwortet die Diagnose?
  • Welche Informationen glaubt man dadurch zu gewinnen?
  • Was soll die Diagnose mitteilen und wem?
  • Was sollen die einzelnen Symptome mitteilen und wem?
  • Ist die Diagnose respektvoll?
  • Wie kann die Diagnose sinnvoll für alle Involvierten sein?
  • Wie kann sie kollaborativ, maßgeschneidert und nützlich sein?
  • Welche Entwicklungen behindert die Diagnose?
  • Wo hilft die Diagnose bei Entwicklung?
  • Was würdest Du (die Familie, die Versicherung...) in der Therapieplanung / in der Interaktion anders machen, wenn die Diagnose nicht XY lauten würde?
  • Unter welchen Umständen würdest Du die Diagnose aufgeben bzw. ändern?
  • Auf welches Wissen greifst Du zurück, ausgehend von Deiner Diagnose? (Cave: Wis- sen über Verläufe kann in self-fulfilling prophecies münden)
  • Welche Einschränkungen erlebt der Patient in der Lebenspraxis? Wieviel davon er- klärt die Diagnose?
  • Was mutest Du dem Patienten alles nicht zu auf Grund Deiner Diagnose?

 

Den vollständigen Artikel findet man in der Bibliothek des Systemagazin unter "Borst, Ulrike" kostenlos zum Herunterladen.

Hier der Link: Systemagazin

   

Schlafstörungen in der Grundschule

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Im Deutschen Ärzteblatt haben Lehmkuhl et. al. einen Artikel zum Thema: "Schlafstörungen im Einschulalter - Ursachen und Auswirkungen" veröffentlicht. Dtsch Artzebl 2008: 105(47): 809-14.

Schlafprobleme sind ein häufiges Problem im Grundschulalter. Bei Kindern mit Schlafproblemen sind häufig weitere psychische, soziale und medizinische Risiken zu erwarten. Häufig ist es ein vorübergehendes und entwicklungbedingtes Phänomen, aber bei 5 bis 10% der Kinder handelt  es sich um eine ausgeprägte Störung, die mit verschieden Belastungsfaktoren und weiteren Verhaltensauffälligkeiten zusammenhängen kann.

Aus diesem Grund sollten Systemische Schulcoachs und alle anderen, die mit diesen Kindern arbeiten, aufmerksam werden, wenn Grundschüler über Schlafprobleme klagen. Es kann zu allabendlichen Konfliktsituationen kommen, die Kinder können morgens Schwierigkeiten beim Aufstehen haben und unter Tagesmüdigkeit leiden. Sie können gereizt und unruhig sein. Das Thema wird von Eltern oft nicht bewusst thematisiert und sollte vom Schulcoach gezielt nachgefragt werden. "Wie und wann schläft ihr Kind?" reicht schon für ein erstes Screening.

Epidemiologische und schulbasierte Studien belegen, dass exzessive Tagesmüdigkeit bei circa 10% der Schulkinder für relevante Leistungsschwierigkeiten und Verhaltensprobleme verantwortlich sind.

Der Artikel trifft die folgenden klinischen Kernaussagen:

  • Kinder mit Einschlafproblemen haben ein erhöhtes Risiko für Tagesmüdigkeit und berichten häufiger über eine eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit.
  • Insbesondere Licht- und Lärmbelästigungen wirken sich auf die Einschlafstörung negativ aus, familiärer Stress führt vermehrt zu Ein- und Durchschlafproblemen.
  • Sowohl bei den Ein- als auch bei den Durchschlafstörungen treten häufig emotionale Auffälligkeiten und hyperaktive Störungen auf.
  • Da Schlafprobleme häufig nicht der primäre Anlass zur Vorstellung in der Praxis sind, sollten sie routinemäßig erfasst werden, um mögliche Komorbiditäten und psychosoziale Risiko- und Belastungsfaktoren nicht zu übersehen.

Nun kommt dieser Artikel aus dem störungsspezifischen Denken des Deutschen Ärzteblattes und beim Wort "Ursachen" zuckt man als Systemiker. Aber dieses Wissen kann helfen, im konkreten Arbeiten eine Wachsamkeit für ein mögliches Problem zu entwickeln, das vom Familiensystem als unwichtiges Problem gewertet wird und so im Setting eines Systemischen Schulcoaches oder eines Familientherapeuten nicht genannt wird.

Hier zum vollständigen Artikel

   

Sinn als Lebensaufgabe

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Arist von Schlippe hat 2005 einen aus meiner Sicht lesenswerten Artikel über das Thema Sinn aus systemisch-konstruktivistischer Perspektive geschrieben. Diesen kann man/frau kostenlos auf den Seiten der Systhema im Internet herunterladen.

Sinn stellt den selbstverständlichen Baustein unserer sozialen Welt dar. Er wird über Geschichten, die wieder und wieder erzähl werden, erzeugt und gefestigt. So war eine wichtige Frage des kürzlich verstorbenen narrativen systemischen Therapeuten Micheal White: "Welche Geschichten erlaubst du, dein Leben zu regieren - wer könntest du sein, wenn du ihnen weniger Macht einräumen würdest? Welcher Art ist die Geschichte hinter der Geschichte, die nicht erzählt wird, weil eine andere Geschichte zur dominanten Erzählung geworden ist." - Alles Sinnfragen

Sinn dient dem Erzeugen von Ordnungen und Ordnung ist uns Menschen wichtiger als Glück. Dass die Suche nach Ordnung auch Fallgruben hat, die für die psychotherapeutische Arbeit relevant sein können, wird in dem Artikel anschaulich dargestellt.

Hier der Link zum Artikel: Sinn als Lebensaufgabe

   

Kinder psychisch kranker Eltern

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Die Professoren für Kinder- und Jugendpsychiatrie Fritz und Remschmidt haben im Deutschen Ärzteblatt einen Übersichtsartikel geschrieben, der für alle in der Jugendhilfe wichtig ist, vor allem dann, wenn sie Kinder und Jugendliche betreuen, bei denen ein oder beide Elternteile eine schwere psychische Störung zeigen.

Es wäre zu wünschen, dass Jugendämter unter anderem solche Artikel benutzen, um für diese Kinder und Jugendliche mehr Präventionsmassnahmen finanzieren zu können, - zum Beispiel ambulante systemische Familientherapie.

Abstrakt:
Einleitung: Kinder von psychisch kranken Eltern haben ein stark erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens selbst eine psychische Störung zu entwickeln. Die Erkenntnisse über die Risiken für diese Kinder müssen in der praktischen Versorgung berücksichtigt werden.
Methoden: Auswertung einer selektiven Literaturrecherche
Ergebnisse: Das erhöhte psychiatrische Erkrankungsrisiko für Kinder psychisch kranker Eltern ist zum einen durch genetische Einflüsse zu erklären. Zum anderen kann das elterliche Verhalten im Umgang mit dem Kind krankheitsbedingt eingeschränkt sein. Weitere Faktoren umfassen die in Familien mit erkranktem Elternteil erhöhten psychosozialen Belastungen, es besteht außerdem ein erhöhtes Risiko für Misshandlungen. Die genannten Faktoren interagieren miteinander, so kann es beispielsweise von genetischen Bedingungen abhängen, wie sich Umweltstress auswirkt.
Diskussion: Die Präventionsmaßnahmen für Kinder psychisch kranker Eltern müssen dringend verbessert werden. Entscheidend für den Erfolg von Präventionsmaßnahmen sind eine qualifizierte Behandlung der elterlichen Erkrankung, Psychoedukation sowie spezielle Hilfen, die der jeweiligen Familiensituation angepasst sind wie etwa Familienhilfe und Selbsthilfegruppen.
Dtsch Arztebl 2008; 105(23): 413–8

Hier der Link zum vollständigen Artikel: Kinder psychisch kranker Eltern

   


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