Sonstiges
Die Welt zeigt sich dir in deiner Vorstellung
WildgänseDu musst nicht gut sein,
Du musst auch nicht auf deinen Knien
hunderte von Meilen bereuend durch die Wüste rutschen.
Du musst nur das zarte Tier deines Körpers
lieben lassen, was es liebt.
Erzähl mi r von deiner Verzweiflung, und ich vertraue dir meine an.
Inzwischen dreht sich die Erde weiter.
Inzwischen zieht die Sonne und die klaren Regenkiesel
über die Landschaften,
über die Prärien und die tiefen Wälder,
die Berge und die Flüsse.
Inzwischen fliegen die Wildgänse, hoch in der klaren blauen Luft,
ihrem zuhause entgegen.
Wer du auch bist, ganz gleich wie einsam,
die Welt zeigt sich dir in deiner Vorstellung,
ruft dich wie die Wildgänse, rauh und aufgeregt ‐
und verkündet immer wieder deinen Platz
in der Familie der Dinge.
Mary Oliver
Zu sein, wie sie sind - ein Gedicht
Wenn wir annehmen, dass manches nicht geschätzt wird;
verstehen, dass manches nicht gelingt;
zulassen, dass vieles uns nicht entspricht;
begreifen, dass Fehler unvermeidbar sind;
einsehen, dass der Wille allein oft nicht genügt;
zugeben, dass vieles mangelhaft ist,
entsteht eine Atmosphäre,
wo Menschen wagen zu sagen, was sie denken,
zu tun, was sie können, zu sein, wie sie sind.
von Max Feigenwinter
Ein Gedicht über das Unglück von Erich Fried
Von Sven Willin habe ich den Hinweis auf ein schönes Gedicht von Erich Fried bekommen. Es beschreibt einen Weg des Umgangs mit Unglück und somit einen Weg des therapaeutischen Arbeitens.
Sein Unglück
ausatmen können.
tief ausatmen
so dass man wieder
einatmen kann
Und vielleicht auch sein Unglück
sagen können
in Worten
in wirklichen Worten
die zusammenhängen
und Sinn haben
und die man selbst noch
verstehen kann
und die vielleicht sogar
irgendwer sonst versteht
oder verstehen könnte
Und weinen können
Das wäre schon
fast wieder
Glück
Erich Fried
Vergangenheit und Schmerz
Mittwoch, den 07. Mai 2008 um 22:22 Uhr
Ich habe heute eine Postkarte entdeckt, die eine interessante Perspektive auf den psychotherapeutischen Umgang mit Vergangenheit und Schmerz wirft.
"Vergangenheit ist, wenn es nicht mehr wehtut." Mark Twain
Nach diesem Satz kann Vergangenheit nicht schmerzen und jeder Schmerz ist Gegenwart. Dies passt zu der Idee von Luhmann über die radikale Verzeitlichung der Elemente. Alles in der sozialen Welt, der Welt der Kommunikation, geht vorbei, außer ich bemühe mich aktiv darum, es zu halten.Das führt zu den therapeutischen Fragen: Welche wichtige Funktion hat es, den psychischen Schmerz aufrecht zu erhalten? Was soll nicht Vergangenheit werden? Beides sind Fragen, die den Patienten irritieren oder gar kränken können, aber sie können auch eine neue Perspektive anbieten.
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